Okklusionsfolie und Shimstock: Kontakte in der Praxis richtig prüfen

Welche Okklusionsfolie für welche Aufgabe: Papier, Kunststofffolie, Seide und Shimstock im Vergleich, mit Ablauf für statische und dynamische Kontrolle und typischen Fehlerquellen.

28. Oktober 20269 Min. Lesezeit1.790 Wörter
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Inhaltsverzeichnis
  1. Welche Okklusionsfolie wofür?
  2. Artikulationspapier 40 µm
  3. Kunststofffolie 8 µm
  4. Kunststofffolie 12 µm
  5. Artikulationsseide 80 µm
  6. Shimstock-Folie 8 µm
  7. Wie zuverlässig sind Okklusionsfolien?
  8. Markierungsgröße ist kein Maß für Kraft
  9. Shimstock als Referenz
  10. Statische Kontakte prüfen: Ablauf
  11. Dynamische Kontakte und Gleithindernisse prüfen
  12. Okklusionsfolie auf der Schiene
  13. Typische Fehlerquellen
  14. Fazit
  15. Häufige Fragen

Eine Okklusionsfolie zeigt, wo Zähne sich berühren, aber nicht, wie stark. Wer das weiß und die richtige Folienstärke für die jeweilige Aufgabe wählt, findet Vorkontakte und Gleithindernisse zuverlässig und schleift nicht an den falschen Stellen. Dieser Beitrag ordnet Artikulationspapier, Kunststofffolie, Artikulationsseide und Shimstock nach ihrer Aufgabe, beschreibt den Ablauf für statische und dynamische Kontrolle und nennt die häufigsten Fehlerquellen.

Welche Okklusionsfolie wofür?

Im Praxisalltag werden alle Prüfmittel oft "Okklufolie" genannt. Technisch unterscheiden sie sich deutlich in Material, Stärke und Farbabgabe, und genau daraus ergibt sich ihre Aufgabe. Die Stärke wird in Mikrometern (µm, auf den Packungen meist µ) angegeben.

PrüfmittelStärkeMaterialHauptaufgabe
Artikulationspapier, z. B. Bausch Arti-Check (rot/blau)40 µmPapierGrobeinstellung, statisch und dynamisch, auch auf Schienen
Kunststofffolie, z. B. Bausch Arti-Fol8 µmKunststoffFeineinstellung der statischen Okklusion, Screening, taktiles Prüfen
Kunststofffolie, z. B. Hanel OccluFoil+ (Coltène)12 µmKunststoffstatische Kontrolle auf Schienen und Kunststoffen
Artikulationsseide, z. B. Bausch (rot)80 µmGewebedynamische Kontakte
Shimstock-Folie, z. B. Hanel (Coltène)8 µmMetall, ohne FarbeHalt-Prüfung einzelner Kontakte

Die Stärken stammen aus den Herstellerangaben von Bausch und Coltène. Coltène empfiehlt für sein Sortiment eine Reihenfolge in drei Schritten: zuerst Artikulationspapier (200, 80 oder 40 µm), dann die 12-µm-Okklusionsfolie, zum Schluss die 8-µm-Shimstock-Folie. Diese Logik vom Groben zum Feinen ist auch die Grundlage des Vorgehens, das Dr. Hajtó in seinen Kursen lehrt.

Artikulationspapier 40 µm

Das rot-blaue Papier ist trotz mittlerer Stärke unter Kaudruck dünn, reißt aber leichter als Kunststofffolie. Es färbt auf trockenen Flächen besser. Dr. Hajtó nutzt es zur Grobeinstellung: auf Zähnen und Zahnersatz für statische und dynamische Kontakte und auf Schienen für beides. Im Folienhalter kann es einzeln oder doppelt liegen; bei doppelter Lage zeigt die gleiche Farbe nach außen. Bausch empfiehlt bei zweifarbiger Darstellung, zuerst die statische Okklusion in Rot und dann die dynamische in Blau zu markieren; die Reihenfolge lässt sich tauschen.

Kunststofffolie 8 µm

Die 8-µm-Folie ist sehr dünn und reißfest. Sie muss auf vollständig trockenen Zähnen verwendet werden, sonst färbt sie kaum. Sie dient der Feineinstellung der statischen Okklusion und dem Screening der Zentrik. Für das Anfärben dynamischer Kontakte eignet sie sich nicht. Dafür hat sie zwei Zusatzfunktionen:

  • Taktile Prüfung von Interferenzen: Ein Streifen liegt zwischen den Seitenzähnen und wird während der Seitbewegung unter Zug gesetzt. Hält er, besteht ein Kontakt.
  • Shimstock-Ersatz: Ein schmal abgerissener Streifen lässt sich wie Shimstock verwenden.

Kunststofffolie 12 µm

Die 12-µm-Folie von Hanel färbt beidseitig, ist reißfest und färbt gut auf Kunststoffen. Sie verzeiht etwas Feuchtigkeit. Dr. Hajtó setzt sie deshalb als "Schienenfolie" ein, also für die statische Kontrolle auf Okklusionsschienen. Coltène beschreibt die OccluFoil+ zusätzlich für Prüfungen, bei denen der Patient knirscht oder die Folie durchgezogen wird.

Artikulationsseide 80 µm

Die Seide ist dick, presst sich aber unter Druck zusammen. Sie färbt beidseitig und sehr intensiv, auch dort, wo Zähne sich nur streifen. Gerade deshalb ist sie das Mittel der Wahl für dynamische Kontakte auf Zähnen und Zahnersatz. Für die Feineinstellung der Statik nutzt Dr. Hajtó stattdessen die dünne Kunststofffolie. Auch die Seide färbt trocken besser.

Shimstock-Folie 8 µm

Shimstock ist eine dünne Metallfolie ohne Farbbeschichtung. Sie markiert nichts, sondern beantwortet nur eine Frage: Hält dieser Zahn die Folie bei Zahnschluss oder nicht? Laut Coltène muss sich die Folie bei normal geschlossenen Zahnreihen zwischen eingeschliffenen Kontakten gerade noch durchziehen lassen; beißt der Patient mit Muskeltonus zu, wird sie festgehalten. Bausch bietet unbeschichtete Shimstock-Folie ebenfalls an, unter anderem in 8 mm und 16 mm Breite.

Wie zuverlässig sind Okklusionsfolien?

Markierungsgröße ist kein Maß für Kraft

Ein großer, dunkler Fleck wirkt wie ein starker Kontakt. Die Studienlage spricht dagegen. Carey und Mitarbeiter (2007) belasteten Kunstharzmodelle mit 25 bis 450 N und werteten 600 Markierungen aus: Die Fläche nahm zwar mit der Last zu, aber nicht linear und mit großer Streuung zwischen den Zähnen; eine direkte Beziehung zwischen Fläche und Kraft fand sich nicht. Qadeer und Mitarbeiter (2012) verglichen bei 30 Probandinnen Papiermarkierungen mit einer computergestützten Kraftmessung. Die größte Markierung eines Quadranten lag nur in 38,3 Prozent der Fälle auf dem Zahn mit der höchsten Kraft; die Kraft erklärte nur knapp 7 Prozent der Markierungsfläche.

Millstein und Maya (2001) zeigten, dass Stärke, Farbe und Material eines Prüfmittels die Größe der Markierung beeinflussen und dass Markierungen selbst bei gleicher Anwendung nicht immer reproduzierbar sind. Mitchem und Mitarbeiter (2017) fanden im Labor, dass zwischengelegte Prüfmittel die Kontaktkräfte in der Regel selbst verändern. Für die Praxis heißt das: Okklusionsfolie zeigt die Lage eines Kontakts. Ob er zu stark ist, beurteilen Sie über den Vergleich mit den Nachbarzähnen, über Shimstock und über das Gefühl des Patienten, nicht über die Größe des Flecks.

Shimstock als Referenz

Shimstock dient in Studien als Referenz für die statische Okklusion. Schütze, Beuer und Bumann (2025) prüften an 20 Kunstharzmodellen im Artikulator verschiedene Prüfmittel gegen Shimstock in maximaler Interkuspidation. 40-µm-Artikulationspapier und 12-µm-Folie stimmten mit Shimstock nahezu perfekt überein (Kappa 0,94 und 0,93). Ein digitales Sensorsystem (OccluSense) erreichte dagegen nur Kappa 0,22, beim Tiefbiss sogar nur 0,02. Dünne konventionelle Prüfmittel sind also für die Statik zuverlässig, wenn sie richtig angewendet werden.

Statische Kontakte prüfen: Ablauf

  1. Trocknen: Okklusionsflächen und Folie müssen so trocken wie möglich sein. Feuchtigkeit verschlechtert die Farbabgabe, Markierungen fehlen oder verschmieren.
  2. Zunge abhalten: Die Assistenz hält die Zunge und die Wange ab, vor allem im Bereich der zweiten Molaren.
  3. Grob markieren: Artikulationspapier 40 µm im Halter, Patient schließt in die Zentrik. Hohe Restaurationen und deutliche Vorkontakte werden sichtbar.
  4. Fein markieren: Mit der 8-µm-Kunststofffolie nachprüfen und gezielt einschleifen, bis die Kontakte gleichzeitig und punktförmig sind.
  5. Mit Shimstock bestätigen: Zahnpaar für Zahnpaar einen Shimstock-Streifen einlegen, Patient schließt, Streifen herausziehen. Wichtig ist der Vergleich: Die neue Restauration soll den Streifen ähnlich halten wie die Nachbarzähne, und die Nachbarzähne sollen nach dem Einschleifen weiterhin halten.
  6. Kontrollieren, was nicht halten soll: Die oberen seitlichen Schneidezähne tragen normalerweise keine statischen Kontakte. In der Front besteht im natürlichen Gebiss nur ein leichter Berührungskontakt. Am Eckzahnaufbau bleibt zentrisch nur minimal Luft, die Sie mit Shimstock prüfen.

Als Zielbild dienen die Merkmale natürlicher Gebisse: gleichzeitige, kleine Kontakte, im Seitenzahnbereich im Mittel etwa 10 pro Quadrant (End 1996), möglichst wenige Randleistenkontakte. Mehr zur Planung der Kontakte lesen Sie im Beitrag zum Okklusionskonzept mit Eckzahnführung.

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Dynamische Kontakte und Gleithindernisse prüfen

Für die dynamische Okklusion kehrt sich die Wahl um: Hier braucht es ein Prüfmittel, das schon bei leichtem Streifen färbt.

  1. Statik vorher abschließen: Erst wenn die Zentrik stimmt, lohnt die Prüfung der Exkursionen.
  2. Dynamik markieren: Artikulationsseide 80 µm oder Papier in der zweiten Farbe einlegen, Patient gleitet aus der Zentrik nach rechts, links und vorn.
  3. Auswerten: Bei Eckzahnführung dürfen nur die Eckzähne und in der Protrusion die Schneidezähne Führungsspuren zeigen. Spuren an Seitenzähnen der Arbeitsseite oder auf der Mediotrusionsseite sind Gleithindernisse. Auch distal am oberen Eckzahn, mesiopalatinal am ersten oberen Prämolaren und an den oberen seitlichen Schneidezähnen sollen keine dynamischen Kontakte entstehen.
  4. Taktil gegenprüfen: Einen Streifen 8-µm-Folie zwischen die Seitenzähne legen und während der Seitbewegung herausziehen. Lässt er sich frei ziehen, trennen die Seitenzähne. Hält er, liegt ein Kontakt vor, auch wenn die Markierung unklar war.
  5. Gezielt einschleifen: Vor dem Schleifen ist zu klären, ob ein statischer Kontakt betroffen ist. Gleithindernisse auf der Arbeitsseite werden bevorzugt an nicht tragenden Höckern korrigiert, Mediotrusionskontakte an den inneren Abhängen der tragenden Höcker. Danach erneut statisch prüfen, damit kein Haltekontakt verloren gegangen ist.

Eingeschliffene Flächen auf Zirkonoxid oder Lithiumdisilikat glätten und polieren Sie anschließend in zwei Schritten: erst Vorpolitur, dann Diamant-Keramikpolierer.

Okklusionsfolie auf der Schiene

Auf Kunststoffschienen hilft eine Folie, die gut auf Kunststoff färbt und nicht ganz trockene Flächen verzeiht. Dr. Hajtó verwendet für die statische Kontrolle auf Schienen die 12-µm-Folie, für Statik und Dynamik zusätzlich Artikulationspapier. Für die Michigan-Schiene gelten in seinem Laborstandard klare Ziele: je Antagonist ein Kontakt, möglichst am Stützhöcker; im Front- und Eckzahnbereich statisch kein Kontakt, Shimstock hält dort gerade nicht mehr; die oberen seitlichen Schneidezähne bleiben ganz außer Okklusion und Führung. Hintergründe zur Schienenversorgung finden Sie im Beitrag zur Schienentherapie bei CMD.

Typische Fehlerquellen

  • Feuchte Zähne: Markierungen fehlen oder verschmieren. Immer trocknen, Assistenz hält Zunge und Wange ab.
  • Falsche Stärke: Seide färbt schon bei bloßer Berührung und eignet sich daher nicht zur Feineinstellung der Statik; 8-µm-Folie ist zum Anfärben von Exkursionen ungeeignet.
  • Fleckgröße als Kraftmaß: Große Markierungen sind nicht automatisch die stärksten Kontakte.
  • Nur eine Seite angeschaut: Kontakte immer auf beiden Zahnreihen und im Vergleich mit den Nachbarzähnen bewerten.
  • Falsche Kieferlage: Prüfen Sie in der Position, für die die Restauration gebaut wurde. Wurde in zentrischer Kondylenposition registriert, gehört die Kontrolle in dieselbe Lage. Fehler im Bissregistrat lassen sich mit keiner Folie wegschleifen.
  • Zu früh aufgehört: Nach jeder Korrektur erneut statisch und dynamisch prüfen.

Fazit

Jede Okklusionsfolie hat ihre Aufgabe: 40-µm-Papier für die Grobeinstellung, 8-µm-Kunststofffolie für die Feineinstellung der Statik und die taktile Prüfung, 12-µm-Folie auf Schienen, 80-µm-Seide für dynamische Kontakte und 8-µm-Shimstock als Halt-Prüfung. Folien zeigen die Lage eines Kontakts zuverlässig, aber nicht seine Kraft; trockenes Arbeiten und der Vergleich mit den Nachbarzähnen sind entscheidend. Das systematische Prüfen und Einschleifen am Patienten ist Teil der CMD-Fortbildung in Feldkirchen.

Häufige Fragen

Wie dick ist Shimstock-Folie?

Die Shimstock-Folie von Hanel (Coltène) ist 8 µm dick, eine unbeschichtete Metallfolie in 8 mm Breite und 5 m Länge. Bausch führt ebenfalls unbeschichtete Shimstock-Folie, unter anderem in 8 und 16 mm Breite, sowie eine farbbeschichtete metallisierte Polyesterfolie mit 12 µm (Arti-Fol metallic). Shimstock färbt nicht; sie zeigt nur, ob ein Zahnpaar die Folie beim Zahnschluss festhält.

Welche Okklusionsfolie nimmt man für dynamische Kontakte?

Für dynamische Kontakte eignet sich ein Prüfmittel, das schon bei leichtem Streifen färbt, etwa Artikulationsseide mit 80 µm oder zweifarbiges Artikulationspapier mit 40 µm in der zweiten Farbe. Sehr dünne Kunststofffolie mit 8 µm ist für dynamische Markierungen ungeeignet, eignet sich aber gut, um taktil zu prüfen, ob die Seitenzähne bei der Seitbewegung frei kommen.

Warum färbt die Okklusionsfolie nicht?

Meist sind Zähne oder Folie feucht. Sehr dünne Kunststofffolien und auch Seide färben auf trockenen Flächen deutlich besser, deshalb sollte die Assistenz trocknen und Zunge und Wange abhalten, vor allem bei den zweiten Molaren. Auf hochglanzpolierter Keramik und auf Kunststoff färben manche Prüfmittel schwächer; für Schienen eignet sich eine Folie, die gut auf Kunststoff färbt.

Zeigt ein großer Farbfleck einen zu hohen Kontakt?

Nicht zuverlässig. Studien zeigen, dass die Fläche einer Markierung kaum mit der tatsächlichen Kraft zusammenhängt; die größte Markierung lag in einer Untersuchung nur in gut einem Drittel der Fälle auf dem Zahn mit der höchsten Kraft. Beurteilen Sie hohe Kontakte im Vergleich mit den Nachbarzähnen, mit Shimstock und über die Rückmeldung des Patienten.

Kann man normale Okklusionsfolie als Shimstock verwenden?

Ja, eine sehr dünne, reißfeste Kunststofffolie mit 8 µm lässt sich schmal abreißen und wie Shimstock einsetzen: Streifen einlegen, Patient schließt, Streifen herausziehen. Wichtig ist, dass die Folie trocken bleibt und Sie immer mehrere Zahnpaare vergleichen. Für die abschließende Kontrolle einer neuen Restauration ist echte Shimstock-Folie aus Metall die übliche Referenz.

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