Die zentrische Kondylenposition ist die Referenz, auf die Sie zurückgreifen, wenn die Verzahnung als Bezug nicht mehr taugt: bei Bisshebung, Schiene oder umfangreicher Rekonstruktion. Dieser Beitrag zeigt, wie DGFDT und DGPro die Zentrik seit 2025 definieren, wann Sie statt in maximaler Interkuspidation in Zentrik registrieren, welche Führungstechnik sich bewährt hat und warum Dr. Hajtó die therapeutische Position zuerst auf der Schiene erprobt. Am Ende können Sie einschätzen, wie genau sich diese Position überhaupt erfassen lässt und welche Messwerte Sie ernst nehmen sollten.
Zentrische Kondylenposition: die aktuelle Definition der DGFDT
Die Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT) und die Deutsche Gesellschaft für Prothetische Zahnmedizin und Biomaterialien (DGPro) haben am 09.04.2025 die Version 3.0 ihrer gemeinsamen Terminologie verabschiedet. Danach ist die zentrische Kondylenposition (englisch: centric relation) eine kranio-ventrale, nicht seitenverschobene Position beider Kondylen, bei der eine unphysiologische Belastung der beteiligten Gewebe vermieden wird.
Neu ist vor allem, was fehlt. In der Fassung von 2005 stand noch, dass die Position bei physiologischer Kondylus-Diskus-Relation und physiologischer Belastung der Gewebe vorliegt. Die neue Formulierung verzichtet auf die Forderung nach einer physiologischen Diskuslage und beschreibt stattdessen negativ, was vermieden werden soll. Für die Praxis ist das ehrlicher: Wo der Diskus im Einzelfall liegt, können Sie am Behandlungsstuhl ohnehin nicht feststellen.
"Zentrik" ist die umgangssprachliche Kurzform für die zentrische Kondylenposition; so hält es auch die S2k-Leitlinie zur instrumentellen Funktionsanalyse und Kieferrelationsbestimmung (AWMF 083-017) fest. International beschreibt das Glossary of Prosthodontic Terms (GPT-9, 2017) die centric relation als Kieferrelation unabhängig vom Zahnkontakt, bei der die Kondylen in der anterior-superioren Position an den hinteren Abhängen der Eminentiae articulares artikulieren. Beide Definitionen beschreiben also eine kraniale, nach vorn orientierte Gelenkposition, keine nach dorsal gedrückte.
Diese Richtung hat sich erst mit der Zeit durchgesetzt. Die wissenschaftliche Mitteilung der DGPro zur Kieferrelationsbestimmung (2010) beschreibt, dass sich die gewünschte Kondylenlage in den Definitionen von posterior über kranial nach ventro-kranial verschoben hat und dass diese wechselnden Definitionen zu unterschiedlichen Registriertechniken geführt haben. Die Leitlinie fasst den heutigen Stand so zusammen: keine manuell nach dorsal forcierte Unterkieferposition, sondern eher eine kranioventrale Kondylenlage als restaurative Ausgangsposition, wenn keine maximale Interkuspidation mehr vorhanden ist.
Zentrik, Interkuspidation, zentrische Okklusion: die Begriffe
Viele Missverständnisse bei Registraten entstehen, weil Gelenkposition und Zahnkontakt vermischt werden. Die Terminologie 3.0 trennt sauber:
| Begriff | Bezug | Bedeutung |
|---|---|---|
| Zentrische Kondylenposition (Zentrik) | Kiefergelenk | kranio-ventrale, nicht seitenverschobene Position beider Kondylen |
| Maximale Interkuspidation | Zähne | statische Okklusion mit maximalem Vielpunktkontakt |
| Habituelle Okklusion | Zähne | gewohnheitsmäßig eingenommene statische Okklusion |
| Zentrische Okklusion | Gelenk und Zähne | maximale Okklusion in zentrischer Kondylenposition |
| Zentrischer Vorkontakt | Zähne in Zentrik | vorzeitiger Kontakt eines Zahnes oder einer Zahngruppe in zentrischer Kondylenposition |
Begriffe wie "Schlussbiss", "Bissnahme" oder "terminale Scharnierachse" sollen nach der Terminologie nicht mehr verwendet werden; an ihre Stelle treten habituelle Interkuspidation, Kieferrelationsbestimmung und zentrische Scharnierachse.
Wichtig für die Einordnung: Maximale Interkuspidation und Zentrik fallen nur selten zusammen. Nach der Leitlinie zeigen nur etwa 10 % der natürlich bezahnten Bevölkerung eine Übereinstimmung. Im Mittel liegt die maximale Interkuspidation im Kondylenbereich etwa 0,5 bis 0,8 mm von der zentrischen Kondylenposition entfernt, in der Regel weiter anterior. Eine solche Abweichung ist also für sich genommen kein Befund.
Das Kiefergelenk hat keine feste Achse
Dr. Hajtó betont in seinen Kursen einen Punkt, der die ganze Diskussion um "die richtige" Zentrik entschärft: Der Kondylus ist keine Kugel, und das Kiefergelenk hat keine anatomische Drehachse. Die Scharnierachse ist eine kinematisch bestimmte, gedachte Linie ohne anatomisches Substrat, das man im MRT oder CT sehen könnte, und sie kann sich im Lauf der Zeit verändern. Statt einer exakt definierten zentrischen Position gibt es nach seinem Verständnis eher eine Komfortzone, in der das Gelenk unbelastet funktioniert.
Wie groß die Unsicherheit ist, zeigt eine Simulationsstudie von Mehl (2018): Schon eine kleine Translation von 1,1 mm während der Öffnung verschiebt die ermittelte Scharnierachse um rund ±6,7 mm, eine Translation von 2,2 mm um etwa ±13,5 mm. Mit den üblichen Achsbestimmungsverfahren lässt sich unter klinischen Bedingungen nicht unterscheiden, ob der Unterkiefer rein rotiert oder zusätzlich gleitet.
Daraus folgt eine klare Konsequenz für die Laborplanung, auf die Dr. Hajtó großen Wert legt: Die Vertikale sollte möglichst nicht im Artikulator verändert werden. Ein Registrat, das in gesperrter Position genommen wurde, und anschließend durch reine Rotation im Artikulator abgesenkt wird, entspricht nur dann der Situation im Mund, wenn Achse und Kieferzuordnung exakt stimmen und beide Gelenke tatsächlich rein rotieren. Das ist nicht gesichert. Eine Abweichung zwischen Interkuspidation und Zentrik, die erst über ein gesperrtes Registrat sichtbar wird, beurteilen Sie deshalb kritisch. Besser ist es, in der Höhe zu registrieren, in der später auch die Restauration stehen soll.
Wann Sie in zentrischer Kondylenposition registrieren
Die Zentrik ist keine Standardposition für jede Krone. Die Leitlinie empfiehlt, bei funktionsgesunden Patienten mit in vier Quadranten abgestützten Zahnreihen die maximale Interkuspidation zu übernehmen. Die DGPro-Mitteilung begründet das mit der deutlich besseren Reproduzierbarkeit der Interkuspidation. In zentrischer Kondylenposition wird registriert, wenn nicht genügend okkludierende Zahnpaare vorhanden sind oder wenn die vertikale oder horizontale Kieferrelation verändert werden soll.
| Situation | Referenz |
|---|---|
| Einzelkrone, kleine Brücke, stabile Abstützung, beschwerdefrei | maximale Interkuspidation |
| Mehrere Quadranten, Bisslage bleibt erhalten | maximale Interkuspidation, gesichert mit Frontzahn-Jig |
| Stützzonen fehlen, Verzahnung nicht mehr eindeutig | zentrische Kondylenposition |
| Bisshebung oder Änderung der Unterkieferlage | zentrische Kondylenposition nach Vorbehandlung |
| Herstellung einer Okklusionsschiene | zentrische Kondylenposition als Ausgangspunkt |
| Verdacht auf craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) vor Zahnersatz | erst funktionell vorbehandeln, vorhandene Okklusion nicht ungeprüft übernehmen |
Die letzte Zeile entspricht einer Empfehlung der Leitlinie: Besteht der Verdacht auf eine CMD, soll die vorgefundene Okklusion in der Regel nicht sofort für den Zahnersatz übernommen, sondern zunächst funktionell vorbehandelt werden, zum Beispiel mit einer Okklusionsschiene. Ob ein solcher Verdacht besteht, klären Sie mit einem CMD-Kurzbefund und gegebenenfalls einer klinischen Funktionsanalyse.
Voraussetzungen für ein Zentrikregistrat
Die Leitlinie bindet die Registrierung in Zentrik im Rahmen restaurativer Behandlungen an drei Bedingungen:
- Das craniomandibuläre System ist so weit wie möglich schmerz- und dysfunktionsfrei.
- Während der Registrierung berühren sich keine Zähne; nur das Registrat selbst gibt einen gleichmäßigen, kippfreien Aufbiss.
- Die vertikale Sperrung gegenüber der maximalen Interkuspidation ist sehr gering.
Die zweite und dritte Bedingung stehen in einem gewissen Spannungsverhältnis: Bei noch okkludierenden Seitenzähnen lässt sich der Unterkiefer wegen des Höcker-Fissuren-Reliefs nur dann zahnkontaktfrei in Zentrik führen, wenn der Biss leicht geöffnet wird. Senkt man danach im Artikulator ab, treffen zuerst die Seitenzähne aufeinander, und die Frontzahnführung kann verloren gehen. Um Zentrik und Frontzahnbeziehung gemeinsam einzustellen, kann es laut Leitlinie nötig sein, Seitenzähne einzuschleifen und die Frontzahnrelation additiv wiederherzustellen. Wie eine stabile Front- und Eckzahnführung aufgebaut wird, zeigt der Beitrag zum Okklusionskonzept mit Eckzahnführung.
CMD-Fortbildung
Diagnostik und Therapie craniomandibulärer Dysfunktionen für die Praxis.
Zur CMD-FortbildungDen Unterkiefer führen: welche Technik?
Der Patient kann die zentrische Kondylenposition nicht selbst einnehmen; eine gewisse Führung durch die Behandlerin oder den Behandler ist nötig. Genau darin liegt die Fehlerquelle. Zur Reproduzierbarkeit der gängigen Verfahren liegen Daten vor:
- Bimanuelle Führung: In der DGPro-Mitteilung mit einer mittleren Schwankungsbreite von 0,3 bis 0,4 mm angegeben. Keshvad und Winstanley (2003) fanden bei 14 Probanden die bimanuelle Führung mit Jig als am besten wiederholbar, die Pfeilwinkelregistrierung als am wenigsten.
- Kinnführung (z. B. Lauritzen-Griff): 0,4 bis 0,5 mm; die Erfahrung des Behandlers bei der Führung hat dabei Einfluss.
- Intraorale Stützstiftregistrierung: 0,4 bis 0,5 mm bei Vollbezahnten, positioniert den Unterkiefer weiter anterior und kranial als die anderen Methoden, ist aber aufwendig und erfordert aktive Mitarbeit.
Mehr als die Wahl der Methode zählt ihre Standardisierung. In der Studie von McKee (1997) wiederholten elf Zahnärzte mit einer einheitlich geschulten bimanuellen Technik die Kondylenposition in 106 von 110 ersten Versuchen innerhalb von 0,11 mm; 132 Kollegen mit ihrer jeweils eigenen Methode schafften das nicht. Die Leitlinie hält zudem fest, dass es keine externe Evidenz gibt, nach der Restaurationen auf Basis einer bestimmten Registriertechnik besser oder schlechter sind.
Frontzahn-Jig und Blattlehre richtig einsetzen
Jig und Blattlehre (Leaf Gauge) schaffen eine Dreipunktabstützung: zwei Kondylen und ein anteriorer Stopp. Für Dr. Hajtó verhält sich der Patient hier wie ein Artikulator, dessen Bewegungsbahnen niemand genau kennt; der anteriore Stopp gibt dem Unterkiefer eine definierte Abstützung. In einer Pilotstudie mit fünf gesunden Probanden zeigte sich beim Pressen auf Jig oder Blattlehre keine konsistente Verlagerung der Kondylen; die Aktivität des vorderen Temporalis war dabei signifikant geringer als beim Pressen in maximaler Interkuspidation (Santosa et al. 2006).
Der Haken ist der Vektor: Eine schräge Auftrefffläche kann den Unterkiefer nach dorsal schieben. Auch die Leitlinie ordnet Lucia-Jig und Lauritzen-Griff eher einer dorsalen Positionierung zu. Dr. Hajtós Konsequenz: Jig oder Blattlehre nicht zu steil gestalten und den Patienten nicht fest pressen lassen. Wie Sie einen Jig chairside herstellen und die Bisslage damit über die Präparation sichern, beschreibt der Beitrag zu Bissregistrat und Zentrikregistrat mit Frontzahn-Jig.
Die therapeutische Zentrik auf der Schiene finden
Für Dr. Hajtó ist die zentrische Kondylenposition bei Patienten mit veränderter Bisslage nicht das Ergebnis eines einzigen Registrats, sondern einer Vorbehandlung. Die Leitlinie stützt diesen Weg: Die Zentrik eignet sich als Ausgangspunkt für die Schienentherapie, und wenn die Unterkieferlage deutlich abweicht und umgestellt werden soll, ist eine Austestung mit einer Okklusionsschiene sinnvoll. Muskulatur, Gelenkkapsel und Diskus antworten auf jede veränderte Ausgangslage mit Anpassung. Eine Bisslageveränderung ist deshalb ein schrittweiser Prozess mit Korrekturen auf jeder Stufe: Schiene, dann Okklusalaufbauten oder Langzeitprovisorien, dann definitiver Zahnersatz.
So sieht der Ablauf in seinem Konzept aus:
- Jeden Patienten screenen, um funktionelle Probleme zu erkennen.
- Bei Verdacht auf eine verschobene oder abgesunkene Bisslage eine Funktionsanalyse durchführen und mit einer Aufbissschiene vorbehandeln.
- Die Schiene regelmäßig kontrollieren und einschleifen.
- Die Vorbehandlung ist abgeschlossen, sobald die Kontakte auf der Schiene über zwei bis drei Kontrolltermine stabil gleich bleiben, die Muskulatur entspannter ist und der Patient sich mit der Lage wohlfühlt. Diese Position ist die therapeutische Bisslage.
- Den Registriertermin legen Sie auf den Morgen; der Patient trägt die Schiene bis zum Termin, und Sie kontrollieren die Kontakte vor dem Registrat erneut.
- Soll die Vertikale nicht angehoben werden, bleibt das Registrat möglichst dicht an der bestehenden Höhe: Der Patient stoppt beim ersten Zahnkontakt, und Jig oder Blattlehre öffnen den Biss nur minimal.
- Registriert wird mit einem harten, nicht elastischen Material wie einem Bisacrylat (Dr. Hajtó verwendet LuxaBite), gegebenenfalls mit Kontrollregistrat, dazu aktuelle Scans oder Abformungen.
Wie die Schiene dafür gestaltet und eingestellt wird, lesen Sie im Beitrag zur Schienentherapie bei CMD. Für die Kontaktkontrolle auf der Schiene und später auf den Restaurationen ist die Kombination aus Okklusionsfolie und Shimstock das Arbeitsmittel; Details dazu im Beitrag zu Okklusionsfolie und Shimstock. Geht es um eine Erhöhung der Vertikaldimension, beschreibt der Beitrag zur Bisshebung, wie Sie das Ausmaß festlegen und schrittweise umsetzen.
Typische Fehlerquellen beim Zentrikregistrat
- Anästhesie: Eine Lokalanästhesie kann das Registrat beeinflussen. Ein Kontrollregistrat bei umfangreichem Zahnersatz nehmen Sie nach Dr. Hajtó deshalb ohne Anästhesie.
- Gelenkerguss: Ein Erguss im Kiefergelenk kann das Registrat verfälschen. Die Leitlinie setzt für das Zentrikregistrat ein möglichst schmerz- und dysfunktionsfreies System voraus.
- Kopfhaltung: Die Kieferrelation hängt von der Kopfhaltung ab. Achten Sie deshalb bei Registrat und Kontrollregistrat auf dieselbe, möglichst neutrale Kopfposition.
- Zu viel Kraft und zu steile Jigs: fördern eine dorsale Verlagerung.
- Elastisches Material: Silikon kann beim Reponieren nachgeben; für Zentrikregistrate setzt Dr. Hajtó auf hartes, beschleifbares Material, das auch in dünner Schicht stabil bleibt.
- Einzelregistrat ohne Kontrolle: Fehlpositionierungen lassen sich laut Leitlinie durch Übung und vor allem durch den Vergleich mehrerer Registrate vermeiden, etwa mit der Split-Cast-Methode oder einer Kondylenpositionsanalyse.
Was Kondylenpositionsanalyse und Bildgebung leisten
Ob die angestrebte Kondylenlage tatsächlich erreicht wurde, lässt sich klinisch nicht überprüfen, so die DGPro-Mitteilung; bei funktionsgesunden Patienten ist das auch nicht nötig. Die Leitlinie nennt realistische Genauigkeiten: Die maximale Interkuspidation lässt sich auf etwa 0,1 mm einstellen, die zentrische Kondylenposition im besten Fall auf etwa 0,2 mm am Patienten und etwa 0,3 mm im Artikulator. Messergebnisse einer Kondylenpositionsanalyse unter etwa 0,5 mm sind deshalb kaum interpretierbar.
Zwei Aussagen der Leitlinie verdienen besondere Beachtung:
- Röntgentechniken sind für die kondyläre Positionsdiagnostik im Rahmen der Kieferrelationsbestimmung ungeeignet; bildgebende, insbesondere ionisierende Verfahren sollen die zahnärztliche Kondylenpositionsanalyse nicht ersetzen.
- Allein aus einer gemessenen Differenz der Kondylenpositionen lässt sich keine invasive restaurative, kieferorthopädische oder chirurgische Therapie begründen. Aussagen über "Kompression" oder "Distraktion" sind ohne genaue Kenntnis der Referenzpunkte allenfalls ein Verdacht.
Die Kondylenpositionsanalyse ist damit ein Werkzeug, um Registrate zu vergleichen und Lageänderungen im Behandlungsverlauf zu dokumentieren, etwa unter Schienentherapie. Die Indikation für eine Rekonstruktion ergibt sich aus Befund, Beschwerden und Zahnhartsubstanz, nicht aus einem Millimeterwert.
Fazit
Die zentrische Kondylenposition ist nach DGFDT und DGPro (2025) eine kranio-ventrale, nicht seitenverschobene Kondylenlage ohne unphysiologische Belastung, keine nach hinten gedrückte Grenzstellung. Für die meisten Einzelversorgungen bleibt die maximale Interkuspidation die genauere Referenz. Die Zentrik brauchen Sie, wenn Stützzonen fehlen oder die Bisslage verändert werden soll; dann führen Sie standardisiert, sperren minimal, registrieren mit hartem Material und sichern die therapeutische Position vorher auf der Schiene. Registrierung, Schienenvorbehandlung und Kontaktkontrolle üben Sie am Patientenfall in der CMD-Fortbildung in Feldkirchen.
Häufige Fragen
Was ist die zentrische Kondylenposition?
Nach der Terminologie von DGFDT und DGPro (Version 3.0, 2025) ist sie eine kranio-ventrale, nicht seitenverschobene Position beider Kondylen, bei der eine unphysiologische Belastung der beteiligten Gewebe vermieden wird. Sie ist unabhängig vom Zahnkontakt definiert und wird umgangssprachlich als Zentrik bezeichnet. Die ältere Fassung von 2005 verlangte zusätzlich eine physiologische Kondylus-Diskus-Relation; diese Forderung ist in der neuen Definition entfallen.
Was ist der Unterschied zwischen Zentrik und zentrischer Okklusion?
Die Zentrik beschreibt nur die Lage der Kondylen im Gelenk. Die zentrische Okklusion ist die maximale Okklusion, die sich einstellt, wenn der Patient in zentrischer Kondylenposition zubeißt und die Kondylen dabei nicht ausweichen. Bei den meisten Menschen fällt die gewohnte maximale Interkuspidation nicht mit der Zentrik zusammen; nach der S2k-Leitlinie trifft das nur auf etwa 10 % der natürlich bezahnten Bevölkerung zu.
Wann ist ein Zentrikregistrat notwendig?
Wenn nicht mehr genügend okkludierende Zahnpaare vorhanden sind oder die vertikale beziehungsweise horizontale Kieferrelation verändert werden soll, etwa bei Bisshebung, Schienenherstellung oder umfangreicher Rekonstruktion. Bei funktionsgesunden Patienten mit Abstützung in allen vier Quadranten empfiehlt die Leitlinie, die maximale Interkuspidation zu übernehmen, weil sie sich deutlich genauer reproduzieren lässt als die Zentrik.
Wie genau lässt sich die Zentrik reproduzieren?
Die S2k-Leitlinie nennt im besten Fall etwa 0,2 mm am Patienten und etwa 0,3 mm nach Übertragung in den Artikulator, gegenüber etwa 0,1 mm für die maximale Interkuspidation. Für die bimanuelle Führung gibt die DGPro eine Schwankungsbreite von 0,3 bis 0,4 mm an, für die Kinnführung 0,4 bis 0,5 mm. Entscheidend ist eine standardisierte Technik und der Vergleich mehrerer Registrate.



